Weihnachten gilt als Fest der Wärme, der Gemeinschaft und des Lichts.
Wir sehen das anders.
Zwischen Geistern, Dämonen, Außenseitern und existenziellen Sinnkrisen hat sich über Jahrzehnte ein inoffizieller Gegenkanon entwickelt – Figuren, für die Weihnachten weniger Erlösung als Konfrontation ist. Mit Schuld, Tod, Isolation oder schlichtem Unbehagen.
Diese Liste bewertet bekannte Weihnachtsfiguren nicht nach Sympathie oder Nostalgie, sondern nach ihrem Goth-Faktor:
Wie viel Dunkelheit, Ambivalenz und Noir steckt wirklich in ihnen?
Subjektiv. Respektlos. Und definitiv nicht besinnlich.
1. Jack Skellington
Goth-Faktor: 10/10
Jack ist nicht einfach „gruselig“, er ist existenzialistisch. Ein König, der alles hat und trotzdem innerlich leer ist. Sein Interesse an Weihnachten ist keine Freude, sondern eine Sinnsuche. Dass er das Fest missversteht, ist kein Gag – es ist Kommentar. Knochen, Friedhof, Melancholie, falsche Identität. Jack IST Goth, ohne sich so zu nennen.
2. Ghost of Christmas Yet to Come
Goth-Faktor: 9.5/10
Keine Augen, kein Gesicht, kein Wort. Nur Tod als Perspektive. Dieser Geist erklärt nichts, tröstet nicht, diskutiert nicht. Er zeigt. Punkt. Das ist radikal noir: Zukunft als Schweigen. Hätte er einen Soundtrack, er wäre Drone.
3. Krampus
Goth-Faktor: 9/10
Krampus ist vorchristlicher Horror, der sich bis heute gehalten hat. Er belohnt nichts, er straft. Ketten, Hörner, Sack – kein Happy End vorgesehen. Während der Nikolaus Moral predigt, vollstreckt Krampus. Weihnachten als Tribunal. Sehr gesund.
4. Ebenezer Scrooge
Goth-Faktor: 8.5/10
Scrooge lebt freiwillig im emotionalen Winter. Isolation, Schuld, Zynismus, Schlaflosigkeit – das volle Paket. Die Geister sind weniger Fantasie als Manifestationen seiner inneren Ruinen. Leider wird er am Ende „geheilt“. Vorher allerdings: absolute Noir-Ikone.
5. Billy Lenz
Goth-Faktor: 8/10
Hier hört der Humor fast auf. Billy Lenz macht Weihnachten zum Hintergrundrauschen für Gewalt, Wahnsinn und Kontrollverlust. Kein Glamour, keine Ironie – nur kalter Schrecken. Goth nicht als Stil, sondern als Abwesenheit von Trost.
6. Gremlins
Goth-Faktor: 7.5/10
Gremlins sind Chaoswesen. Sie zerstören Rituale, Symbole und Illusionen. Weihnachtsdeko wird zur Kulisse für Anarchie. Schwarzer Humor pur: Das Fest kollabiert an seinen eigenen Regeln. Punk-Goth statt Friedhof.
7. Grinch
Goth-Faktor: 6.5/10
Der Grinch ist ein sozialer Außenseiter mit Verachtung für kollektive Fröhlichkeit – starkes Fundament. Leider wird daraus oft Klamauk. Sein Hass ist berechtigt, aber zu laut, zu bunt. Goth im Herzen, Clown im Outfit.
8. Rudolph
Goth-Faktor: 5/10
Rudolph beginnt tragisch: Ausgrenzung wegen Anderssein. Klassisches Goth-Thema. Aber dann kommt Akzeptanz nur, weil er nützlich ist. Keine echte Rebellion, nur funktionale Duldung. Bittere Aussage, aber weich verpackt.
9. Frosty the Snowman
Goth-Faktor: 3.5/10
Ein Wesen, das weiß, dass es schmelzen wird – und trotzdem lacht. Eigentlich tieftraurig. Leider ästhetisch komplett entschärft. Frosty ist eine existenzielle Tragödie im Kinderfernsehen, die sich nicht traut, traurig zu sein.
10. Santa Claus
Goth-Faktor: 2/10
Allwissend, allgegenwärtig, moralische Überwachung von Kindern – das könnte dystopisch sein. Ist es aber nicht. Zu viel Marketing, zu wenig Abgrund. Santa ist Macht ohne Zweifel. Und Zweifel sind essenziell für Noir.
NRW-Noir Schlusswort
Goth ist kein Kostüm, sondern ein Zustand:
Isolation, Tod, Sinnsuche, Scheitern, Ambivalenz.
Darum regieren Jack, Krampus und die stummen Geister.
Alles andere darf mitfeiern – aber bitte hinten, im Schatten.


